Axel Vahldiek

Umzug

Dateien und Einstellungen auf den neuen PC retten

Bis Windows und alle Anwendungen auf einem neuen PC endlich wunschgemäß laufen, verbringt der Anwender viele Stunden mit dem Einrichten - oder er übernimmt einfach die Einstellungsdaten vom alten PC.

Steht der neuen PC endlich unterm Schreibtisch, will man schnell loslegen und die Zeit nicht mit dem mühevollen Konfigurieren von Windows und allen Anwendungen verplempern. Da liegt der Gedanke nahe, die Einstellungsdaten vom alten auf den neuen PC zu übernehmen. Zwar gibt es hierzu keine universelle Klick-und-fertig-Lösung, doch das richtige Vorgehen spart viele Arbeitsstunden. Läuft auf dem neuen PC Windows XP, bietet ein Assistent eine Hilfe beim Übertragen der Einstellungen an, wer seinen neuen Rechner mit einer älteren Windows-Version betreiben will, überträgt die nötigen Daten von Hand.

Allerdings sollte man es nicht übertreiben und versuchen, gleich das komplette Windows auf den neuen PC zu übertragen: Das gelingt nur dann problemlos, wenn in beiden Rechnern weitestgehend identische Hardware steckt. Andernfalls endet der Versuch, Windows in einen neuen PC zu stecken, günstigstenfalls mit einer wahren Treiber-Installations-Orgie, meist jedoch stattdessen mit Bluescreens und Fehlermeldungen, die mitunter nicht einmal aussagekräftig sind. Selbst wenn es gelingt, Windows auf dem neuen PC zu starten, dürfte der dabei entstandene Mix aus alten und neuen Treibern die Stabilität des Systems beeinträchtigen.

Sinnvoller ist es, das Neuinstallieren von Betriebssystem und Anwendungen auf sich zu nehmen und sich die Mühe mit einem stabilen und schlanken System belohnen zu lassen. Zumal viele den Zeitaufwand falsch einschätzen: Bis ein neuer PC endlich planmäßig arbeitet, ist die meiste Zeit nicht für das Installieren, sondern für das Konfigurieren draufgegangen.

XP-Assistent

Windows XP erleichtert mit seinem Assistenten den Umzug sehr. Er überträgt die Einstellungen aller Windows-Versionen ab 95 und NT 4 auf XP, unter anderem die DFÜ- und Druckereinstellungen sowie jene von Internet-Explorer, Outlook Express, den MS-Office-Paketen sowie einiger weiterer ihm bekannter Anwendungen. Außerdem kopiert er auf Wunsch spezifische Ordner wie `Eigene Dateien´ oder `Favoriten. Schließlich überträgt er auch ausgewählte Dateien, von denen er glaubt, dass sie für den Anwender wichtig sind, beispielsweise Texte und Tabellen.

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XP bringt einen eigenen Assistenten mit, der das Übertragen von Dateien und Einstellungen erlaubt.

Die Daten sammelt der Assistent in einer Archiv-Datei, bei Datenmengen über 2 GByte in mehreren. Wie die Daten auf den neuen PC kommen, ist letztlich egal. Am einfachsten gehts über ein lokales Netzwerk, was der Assistent auch anbietet - sollte das klemmen, hilft der Artikel auf Seite 118. Alternativ kann man die Daten auch auf CD-R(W) brennen.

Was der Assistent nicht leistet: die Anwendungen selbst zu übertragen - kaum verwunderlich, wäre er doch sonst ein prima Werkzeug zum Erstellen von Raubkopien. Aus Sicherheitsgründen akquiriert der Assistent auf dem alten PC auch keine gespeicherten Kennwörter.

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Der Assistent trifft eine Vorauswahl, die aber nur selten den eigenen Vorstellungen entspricht.

Bevor das Übertragen der Einstellungen beginnt, muss XP bereits auf dem neuen PC installiert sein, ebenso wie alle Anwendungen, deren Einstellungen man übernehmen möchte. Um Versionskonflikte zu vermeiden, installiert man besser die jeweils gleiche Version einer Anwendung wie auf dem alten PC und nimmt ein Update auf eine höhere Version erst nach dem erfolgreichen Transfer der Einstellungen vor. Sind alle Setup-Programme durchgelaufen, sollte man vor den weiteren Schritten eine Sicherheitskopie anlegen, dabei hilft der Artikel auf Seite 112.

Zuerst gilt es, die Daten zu sammeln, die auf den neuen PC zu übertragen sind. Hierzu fährt man das alte Windows hoch, ohne jedoch weitere Programme zu starten - sonst könnte es zu Zugriffsproblemen kommen. Nach dem Einlegen der XP-Setup-CD poppt deren Setup-Bildschirm auf, wenn nicht: `Setup.exe´ aus dem Wurzelverzeichnis der CD starten. Der unter `Zusätzliche Aufgaben durchführen´ zu findende Menüpunkt `Dateien und Einstellungen übertragen´ startet den Assistenten. Wer nur über eine Recovery-CD verfügt, kann im XP-Startmenü einen gleichnamigen Menüpunkt anklicken, woraufhin ebenfalls der Assistent startet und nach einigen Mausklicks anbietet, sich auf eine Diskette zu kopieren, die auch mit alten Windows-Versionen funktioniert.

Der Assistent erfragt zuerst einen Zielort für die zu übertragenden Daten, der über reichlich freien Plattenplatz verfügen sollte: je nach Auswahl der zu übertragenden Daten können mehrere GByte zusammenkommen.

Im nächsten Fenster empfiehlt es sich, den Schalter `Auswählen einer benutzerdefinierten Liste ...´ anzuklicken, denn nur dann hat der Anwender die Wahl, welche Einstellungen der Assistent überträgt. Wer beispielsweise Outlook Express nie genutzt hat, kann sich das Kopieren von dessen Einstellungen sparen. Hier lässt sich auch einstellen, ob Standardverzeichnisse wie `Eigene Dateien´ oder `Favoriten´ mit einbezogen werden sollen.

Der Assistent kann auch Nutzerdateien übertragen, allerdings bietet er keine Auswahl an, sondern kopiert pauschal anhand seiner Liste von Dateitypen, also beispielsweise alle Dateien mit der Endung ZIP oder MP3. So gelangen aber beispielsweise bei Auswahl von BMP oder DOC nicht nur die selbst erstellten Bitmaps oder Briefe auf die neue Platte, sondern auch Werbe-Bitmaps oder Bestellvorlagen einer irgendwann mal ausprobierten und längst vergessenen Shareware. Bei den ständig selbst genutzten Dateitypen wie BMP, MPG, JPG, MP3, DOC, XLS und so weiter ist es daher klüger, den Eintrag aus der Liste zu entfernen und die Dateien von Hand zu übertragen - wo sie sind, ist ja bekannt. Nicht selbst genutzte oder gar unbekannte Dateitypen sollten hingegen in der Liste bleiben - der Assistent hat sie als zur einer Anwendung gehörig identifiziert, weil sie durch eine installierte Anwendung in der Registry im Hauptschlüssel HKEY_CLASSES_ROOT registriert wurden.

Alle Dateien stellt der Assistent in genau den Ordnern wieder her, in denen er sie auf dem alten PC vorgefunden hat - klingt nach einer guten Idee, ist aber ärgerlich, wenn die erwähnte Werbe-Bitmap irgendwo in einem tief verschachtelten Unterverzeichnis lag. Zudem lädt er die Daten immer auf derselben Partition ab: lagerten die persönlichen Briefe auf E:, landen sie samt der übergeordneten Ordner auf dem neuen PC auch auf E: - gibt es das gar nicht, verwendet der Assistent das erste Laufwerk. Wer auf dem neuen PC nicht die alte (Un-)Ordnung haben möchte, prüft deshalb entweder vor der Übertragung mit der Suchfunktion nach, wo denn überall Dateien mit den ausgewählten Dateitypen liegen, und entfernt eventuell einzelne Typen aus der Liste oder nimmt hinterher eine längere Aufräumaktion in Kauf.

Ist die Auswahl getroffen, erstellt der Assistent das Archiv, das er auf dem Zielrechner wieder auspackt. Irgendwelche Optionen für Zielorte sucht man hier vergeblich. Alle übertragenen Einstellungen gelten für das aktuell angemeldete Nutzerkonto.

Im Anschluss kann man losforschen, was denn alles geklappt hat. Bei unseren Tests gelang es problemlos, die Einstellungen des Internet-Explorers inklusive der DFÜ-Verbindungen zu übertragen, und auch die für MS-Office-Pakete und Outlook Express bereiteten keine Probleme. Nacharbeiten mussten wir beim Windows-Explorer: Der Assistent übernimmt nämlich nur Schalter, die es auch im Quell-Windows gab. Folge: Wir hatten den Explorer von Windows 95 zwar so eingestellt, dass er alle Dateien anzeigte, und der Schalter war auch bei XP umgelegt - doch trotzdem versteckte XP weiter Dateien, denn hier sind noch weitere Schalter zu aktivieren, um alles zu sehen.

Von Hand

Bei jenen Anwendungen, die der Assistent nicht erkennt, heißt es nachkonfigurieren. Um sich diese Arbeit zu ersparen, kann man deren Einstellungen aber von Hand auf den neuen PC retten - ein Weg, um den man bei einem Umzug auf einen der XP-Vorgänger sowieso nicht herumkommt.

Die Konfigurationsdaten stecken üblicherweise in einer Konfigurationsdatei oder in der Registry. Doch wo dort genau, unterscheidet sich je nach Programm so erheblich, dass eine allgemeine Aussage hierüber kaum möglich ist. Mit der richtigen Strategie lässt sich aber herausfinden, wo die gewünschten Daten liegen.

Am bequemsten ist es, wenn eine Anwendung den Im- und Export von Einstellungen anbietet, beispielsweise Outlook Express - das überträgt zwar nicht immer wirklich alles, spart aber dennoch viel Zeit.

Wo die Option fehlt, hilft ein Blick ins Programmverzeichnis. Manche Programmierer sind so freundlich und kennzeichnen die hier gesuchten Dateien mit aussagekräftigen Namen - Microsoft gehört leider nicht dazu: Beispielsweise sind Mail-Archive in Dateien wie Outlook.pst oder Folders.dbx versteckt, Autokorrektureinträge von Word in der Mso97.acl und die Liste der vertrauenswürdigen Seiten des Internet-Explorers in der Registry.

Ist die Datei gefunden, kopiert man sie auf den neuen PC, allerdings nicht unbedingt in das gleiche Verzeichnis, denn zwischen verschiedenen Windows-Versionen könnte es Unterschiede geben. Deshalb sucht man nach dem Identifizieren einer Konfigurationsdatei des alten Systems nach dem Pendant im neuen System, benennt es sicherheitshalber um und kopiert dann die alte Konfigurationsdatei an dessen Stelle.

Ist der Blick ins Programm-Verzeichnis erfolglos, hilft es, die Google-Groups (http://groups.google.de) mit dem Programmnamen und dem Begriff `Mail-Archiv´, `Vorlage´ und so weiter füttern. Treffer ergibt oft auch die Suche nach dem Programmnamen in Kombination mit `Konfiguration sichern´.

Scheitert auch die Suche im Internet, kann man noch die Registry des alten Windows nach Hinweisen durchforsten, was aber schnell in Detektivarbeit ausartet. Sie ist mit dem Registry-Editor zu öffnen (im Startmenü unter `Ausführen´ einfach `regedit´ eingeben) und nach dem Programmnamen zu durchsuchen. Hier aufgeführte Dateinamen oder -typen geben womöglich die nötigen Hinweise auf die Dateien - oder das Internet, wenn man sie als Suchbegriffe in den erwähnten Google-Groups verwendet.

War alles das erfolglos, stecken die gesuchten Einstellungen vermutlich nicht in einer Datei, sondern direkt in der Registry. Wer hier etwas herausoperieren möchte, sollte schon gewisse Kenntnisse von ihrem Aufbau haben und sich das Herumfummeln an ihr zutrauen, sonst kann leicht etwas schief gehen. Eine Sicherungskopie erweist sich dann schnell als nützlich.

Die Registry des Windows auf dem alten PC durchforstet man mit dem Registry-Editor nach dem Programmnamen oder dem Namen des Herstellers. Ergibt das einen Treffer, dessen Name beispielsweise mit `HKEY_CURRENT_USER\Software\<PROGRAMMNAME>´ oder `HKEY_LOCAL_MACHINE\SOFTWARE\<HERSTELLERNAME>´ beginnt, ist das Gesuchte meist gefunden. So speichert beispielsweise der AOL-Messenger seine Konfigurationen unter `HKEY_CURRENT_USER\Software\America Online\AOL Instant Messenger (TM)´, der StuffIt-Expander unter `HKEY_CURRENT_USER\Software\Aladdin Systems\Expander´.

Nun markiert man den Schlüssel und exportiert ihn via Datei\Exportieren in eine Datei. Deren Name ist egal, als Endung bleibt das vorgegebene REG. Wer erkennt oder zumindest erahnt, was er da gefunden hat, kann auch andere Treffer exportieren.

Stammen die Windows-Versionen von altem und neuem PC nicht aus einer Familie (9x/ME oder NT/2000/XP), muss man die exportierte Datei noch bearbeiten, da sie in der ersten Zeile eine Versionsnummer enthält, die zum Ziel-Windows passen muss. Die Änderung lässt sich mit einem beliebigen Text-Editor erledigen. Für Windows XP oder 2000 muss die erste Zeile `Windows Registry Editor Version 5.00´ lauten, bei 98 SE und ME `REGEDIT4´. Nach dem Speichern kann man die Datei auf den neuen PC übertragen.

Hier öffnet man den Registry-Editor des neuen Systems und prüft, ob der exportierte Schlüssel auch hier vorhanden ist. Wenn ja, markiert man ihn und exportiert ihn anschließend wie beschrieben, um ihn notfalls wieder zurückspielen zu können.

Es folgt ein Doppelklick auf die vom alten PC übertragene REG-Datei, woraufhin Windows nach einer Sicherheitsabfrage die Informationen in die Registry einträgt. Nun kommt der spannende Moment: Startet die betreffende Anwendung mit einer erfreulich vertrauten Konfiguration, hats geklappt, wenn nicht, heißt es weitersuchen - vielleicht sind ja weitere Einträge nötig. Sollten allerdings gar Fehler auftreten, öffnet man den Registry-Editor, sucht den gefundenen Schlüssel, löscht ihn und spielt gegebenenfalls den zuvor exportierten Originalschlüssel via `Registrierungsdatei importieren´ wieder zurück.

Als letzten Ausweg kann man dann noch versuchen, einfach mit dem Inhalt des Programm-Ordners der Anwendung auf dem alten PC das Pendant auf dem neuen brachial zu überschreiben - vorher sei aber nochmals das Anlegen einer Sicherungskopie empfohlen.

Fazit

Mit den beschriebenen Mitteln sind sicher nicht alle Konfigurationsdaten zu übertragen, aber doch die meisten. Bei hartnäckigen Fällen sollte man sich jedoch überlegen, ob das schnelle Zusammenklicken der Einstellungen in manchen Fällen nicht schneller geht, als das Übertragen. (axv)