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Technische Kurzinformation

FZJ-ZAM-TKI-0398
J.Meißburger
9.2.2005


Starten von Windows- und Linux-Systemen
mit dem Windows-Bootloader


Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Load-Image für Linux erstellen¹

3. Windows-Bootloader einrichten

4. Wiederherstellungskonsole einrichten

5. Windows-Bootdateien auf Diskette sichern

1. Einleitung

Häufig werden auf modernen PCs mit großen Festplatten mehrere Betriebssysteme gleichzeitig installiert. Eine typische Konfiguration wäre etwa ein Windows-Produktionssystem mit Office, Multimedia etc. auf der ersten Festplatte, ein komplettes Linux-System ebenfalls auf der ersten Festplatte, Windows-Benutzerdaten und Image-Backups der ersten Festplatte auf einer Partition  einer zweiten Festplatte, und schließlich noch ein speziell abgesicherten Windows-System für Softwaretests oder zum sicheren Surfen ebenfalls auf der zweiten Festplatte. Möglicherweise wird auch noch die Wiederherstellungskonsole von Windows direkt auf einer der Festplatten installiert, damit man mal eben schnell einen kaputten Bootblock reparieren kann.

Es stellt sich die Frage, wie man die verschiedenen Betriebssysteme bequem startet:  Wird etwa ein Linux- Bootmanager auf der ersten Festplatte installiert, so wird dieser spätesten bei Installation des nächsten Windows-Systems im Bootblock einfach überschrieben und muss von Hand restauriert werden. Das gleiche passiert, wenn man den Bootblock etwa durch Wiederherstellen eines Image-Backups überschreibt oder mit Hilfe der Wiederherstellungskonsole neu anlegt.

Einfaches ist es, alle Systeme inklusive der Wiederherstellungskonsole mit Hilfe des Bootloaders von Windows zu starten - in seinem Konsolencharakter vielleicht optisch etwas weniger ansprechend als Grub, dafür aber "Windows-resistent".

Als Vorbereitung muss ein Datenträger mit FAT-Dateisystem (Diskette, USB-Stick) vorbereitet werden, auf das Linux schreiben und von dem Windows lesen kann. Der Platzbedarf ist mit 4 KB minimal.

Das Verfahren ist einfach: Es wird mit der Linux-Installations-CD (oder alternativ im laufenden Linux) ein Load-Image für Linux erstellt, mit Hilfe der zuvor erstellten Diskette in die Boot-Partition von Windows kopiert und die Windows-Datei "boot.ini" entsprechend angepasst. Soll auch die Wiederherstellungskonsole installiert werden, so wird diese mit Hilfe der Windows-Installations-CD auf die Festplatte installiert und ebenfalls im Bootloader eingetragen.

2. Load-Image für Linux erstellen¹

Zunächst wird ein Bootimage für Linux (d.h. eine Datei mit dem Inhalt eines 512-Byte Bootblocks) erzeugt und dieses auf die erste Festplatte in die Windows-Partition kopiert, von wo aus es durch den Windows-Bootloader geladen und gestartet werden kann. Dazu muss zunächst Linux oder die Linux-Installation gestartet und der Bootloader "Grub" so konfiguriert werden, dass er das Bootimage nicht in den MBR der ersten Festplatte, sondern in die Root-Partition des Linux-Systems selbst schreibt.

  1. Fall: Linux ist bereits installiert und kann direkt über das Auswahlmenü eines Bootloaders (Grub, Lilo o.a.) oder mit Diskette gestartet werden
     
  2. Fall: Linux ist installiert, muss aber über die Installations-CD 1 gestartet werden. Dies geschieht mit

    SuSE-Linux-CD 1 anbooten
    Manual Installation auswählen
    Sprache auswählen - OK
    Tastatursprache auswählen - OK
    Installation/System starten
    Installiertes System starten
    Linux-Partition, beispielsweise "hda3: reiserfs" auswählen - OK 

  3. Fall: Linux muss komplett neu installiert werden

    In diesem Fall bei Installation des Bootloaders Grub als Ziel nicht den Master Boot Record (MBR) der ersten Festplatte auswählen, sondern die root-Partition des Linux-Systems selbst. Also wie oben etwa "hda3: reiserfs", falls Linux auf der dritten Partition der ersten Festplatte /dev/hda installiert ist (Die erste Partition auf dieser Festplatte ist typischerweise ein NTFS-Filesystem für die erste Windows-Installation).

  4. Bei laufendem Linux

    Start - System - Yast
        System - Konfiguration des Bootloaders
        Ort des Bootloaders - Bearbeiten

    Bootsektor der Bootpartition (Linux, beispielsweise /dev/hda3) auswählen - Beenden

  5. Anschließend wird das eben erzeugte Boot-Image auf den Datenträger (FAT/FAT32) kopiert:

    mount    /dev/fd0        /media/floppy    (Diskette)

    mount    /dev/sda0    /media/floppy     (USB-Stick)

    dd    if=/dev/hda3    of=/media/floppy/bootsek.lin    bs=512    count=1

     

3. Windows-Bootloader einrichten

Der Bootloader von Windows wird über die Datei C:\boot.ini konfiguriert. Diese Datei ist als Systemdatei geschützt und sollte wie folgt editiert werden:

Damit wird boot.ini in den Editor geladen. Für einen PC mit zwei Festplatten ("rdisk(0)" und "rdisk(1)"), je einem Windows-System auf der ersten Partition jeder Festplatte ("partition(1)") und dem Default-Betriebssystem auf rdisk(0)partition(1) sieht das wie folgt aus (je eine Zeile ohne Zeilenumbruch!):

[boot loader]
timeout=10
default=multi(0)disk(0)rdisk(0)partition(1)\WINDOWS
[operating systems]
multi(0)disk(0)rdisk(0)partition(1)\WINDOWS="Microsoft Windows XP Pro (Produktion)" /noexecute=optin /fastdetect
multi(0)disk(0)rdisk(1)partition(1)\WINDOWS="Microsoft Windows XP Pro (Abgesichertes System für Internet)" /noexecute=optin /fastdetect
c:\bootsek.lin="SuSE Linux 9.2"
C:\CMDCONS\BOOTSECT.DAT="Microsoft Windows XP-Wiederherstellungskonsole" /cmdcons

Das Linux-System wird über den dritten Eintrag gebootet, der den Ort der MBR-Imagedatei angibt. Diese wird unter Windows von der Diskette oder dem USB-Stick einfach auf die Windowspartition, etwa als C:\BOOTSEK.LIN kopiert.

Der vierte Eintrag wäre die Bootoption für die Windows-Wiederherstellungskonsole. Diese kann für solche Benutzer recht nützlich sein, die öfter mit unterschiedlichen Betriebssystemen experimentieren und die Wiederherstellungswerkzeuge von Microsoft (etwa zum Wiederherstellen eines Bootblocks) direkt ohne Installations-CD zur Verfügung haben möchten. Dieser Eintrag wird beim Installieren der Windows-Wiederherstellungskonsole (siehe unten) automatisch generiert.

4. Wiederherstellungskonsole einrichten

Die Windows-Wiederherstellungskonsole kann entweder von der Installations-CD gestartet werden, oder sie kann auf der Windows-Partition vorinstalliert und dann direkt aus dem Boot-Menü (s.o.) heraus gestartet werden.

    a) Starten der Wiederherstellungskonsole von CD

  1. Windows-XP/SP2-CD einlegen
    Rechner starten
    eine Taste drücken, um von CD zu starten
    (ggf. vorher Boot-Reihenfolge im BIOS ändern)
     
  2. Mittleren Punkt "R" für Wiederherstellungskonsole auswählen
     
  3. Aufzählung der verfügbaren Windows-Installationen (auf unterschiedlichen Partitionen und Festplatten)
    Falls von der ersten Partition der ersten Festplatte gebootet werden soll (Standard),
    z.B. 1: C:\Windows
     

    a) mit "1" auswählen
    b) Administratorkennwort eingeben

  4. Damit ist man bei der Wiederherstellungskonsole für das System C:\Windows angemeldet.
    Wichtige Kommandos:

    C:\Windows> help
    > help fixboot
    > help fixmbr

    Mit dem letztgenannten Kommando läßt sich ein neuer (Windows-) Bootblock auf die Startpartition schreiben, falls z.B. eine Linux-Installation diesen beschädigt haben sollte. Dabei wird auch ein fremder Bootloader wie Lilo oder Grub entfernt bzw. überschrieben:

    C:\Windows> fixmbr

    b) Installation der Wiederherstellungskonsole auf der Festplatte

Die Installation der Wiederherstellungskonsole auf der Festplatte macht diese jederzeit verfügbar und erfordert nur ca. 8 MB Speicherplatz.

  1. Windows-Installations-CD einlegen. Das aktuelle CD-Laufwerk sei beispielsweise F:
     
  2. Mit "Start - Ausführen" das Kommando "F:\i386\winnt32.exe /cmdcons" ausführen
     
  3. .... Wiederherstellungskonsole installieren ? - Ja
     
  4.  Windows-Setup für Dynamisches Update - Abbrechen und mit "Ja" bestätigen
     
  5. "Die Wiederherstellungskonsole wurde einwandfrei installiert - OK"

Damit ist die Wiederherstellungskonsole  im Verzeichnis C:\cmdcons der Windows-Bootpartition installiert.
 

5. Windows-Bootdateien auf Diskette sichern

Es empfiehlt sich für den Notfall, alle für den Bootloader benötigten Dateien und vielleicht auch einige Bootkonfigurationen ("boot.ini") auf Diskette zu sichern. Mit dieser Diskette kann der Rechner gegebenenfalls wieder gestartet werden. Hierzu die Dateien auf der Bootpartition C:

auf eine Diskette kopieren.

¹ Die Information zum Linux-Bootimage wurde in der SuSE-Supportdatenbank (fhassel_grub_nt) gefunden


ZAM-TKI-0398 im PDF-Format


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