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URL: http://www.welt.de/kultur/article1932216/Brecht_Gernhardt__Co___Liederlich-luesterne_Lyrik.html
24. April 2008, 11:20 Uhr
Von Marion Meier
Gedichte

Brecht, Gernhardt & Co – Liederlich-lüsterne Lyrik

Erotische Gedichte von Brecht, Ringelnatz, Gernhardt & Co. vereint der gerade erschienene Band "Liederlich!". Der Herausgeber Steffen Jacobs schwört, ihm sei die Sprache wichtig. WELT ONLINE präsentiert zehn Gedichte zur Auswahl. Wer sich vor deftigen Versen fürchtet, der klicke auf keinen Fall auf "mehr".
Erotik
Foto: pa/Chromorange
Robert Gernhardt schrieb ein Gedicht über Bertolt Brecht, der habe "viel ge ---, aber nicht gut", ...
"Allem Anfang / Wohnt ein Zauber inne / Wenn ihn der Hänsel drin hat / Und die Gretel drinne", reimt Horst Tomayer frei nach Herman Hesse. Wem das zu obszön ist, der sollte hier nicht weiter lesen, sondern am besten sofort zu den noch auszufüllenden Steuererklärungsformularen greifen.
Noch einmal: Stopp! Das ist die letzte Chance. Ihre Augen gleiten an diesen Buchstaben auf eigene Gefahr entlang. Verschließen Sie diese, setzen Sie auch die Hände ein: Klicken Sie weg, jetzt!
So – sind nun überhaupt noch welche da? Dann sind wir also unter uns, vermutlich ein kleiner verschworener Kreis. Denn für, sprechen wir es offen aus, das Thema Sex interessiert sich ja vermutlich niemand. Denn das ist das Niveau, wo es weh tut, unter der Gürtellinie.

Unter dem Titel "Liederlich!" hat Steffen Jacobs für den Eichborn Verlag Gedichte ausgewählt. "Die lüsterne Lyrik der Deutschen" lautet der Untertitel. Seine Erklärung für das schamlose Unterfangen: Vor einiger Zeit habe er schon einmal Liebesgedichte zusammengesucht. Poesie aus vierhundert Jahren.

Die Sammlung wurde unter dem Titel "Die liebenden Deutschen" veröffentlicht. Jacobs erklärt: "Der Band wurde, wie man so schön sagt, von Publikum und Kritik freundlich aufgenommen." Damit hätten die Leser ihre Ruhe haben können. Das Buch hätte den schönen Existenzkreislauf nicht wirklich geliebter Bücher antreten können: Geschenkt bekommen, blättern, auf den Nachtisch legen, in Geschenkpapier einwickeln, verschenken...

Schuld war nur der Kritiker

Doch dann stellte einer dieser Kritiker, die sich doch normalerweise nur mit verquasten, staubtrockenen Kulturdebatten beschäftigen, eine handfeste Frage: "Wo bleibt die Pornografie?" Und nun fühlte sich Jacobs unter Druck gesetzt, nach amourösen Gedichten zu fahnden, die Cunnilingus genauso thematisieren wie Sadomasochismus.
Seine Begründung? Die Lyrik brauche keine Blauen Blumen oder Elfenbeintürme. Sie könne durch feine Beobachtung und Schilderung der Sexualität eine eigene Sprache verleihen. Und damit die verkommene Sprache der Pornografie entblößen. Oder auch anders: "Lyriker haben etwas zu sagen (Ausnahmen bestätigen die Regel), Werbetexter wollen etwas verkaufen."
In der Einladung, die Jacobs an knapp hundert deutschsprachige Dichter schickte, bat er um "offenherzige Gedichte aller Art, sowohl erotischer als auch explizit pornografischer Natur." Er gab als Maßstab aus: "Ich bin ein Mensch, nichts Menschliches ist mir fremd".

Kunst für die Menschen

Moment mal! Hier trifft der Gedichtesammler einen Punkt, der gerne aus den Augen verloren wird: Kultur wird von Menschen gemacht, und gute Kultur wird von Menschen für Menschen gemacht. Die Künstler wollen etwas aussagen, etwas bewirken, etwas auslösen. "Liederlich!" beschäftigt sich nun mit einer Facette eines menschenverbindenden Themas: Es geht um Liebe, um Überleben – und, Achtung nun folgt wieder das triviale Wort, es geht um Sex.
Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau (1616 - 1679) bettelte schon vor Jahrhunderten Phillis an: "Laß mich, Phillis, nur bei dir, auf den hohen Hügeln sterben". Friedrich Hebbel (1813 - 1863) träumte von einem jungen Mädchen, das er im Louvre sah. Und Peter Rühmkorf (geboren 1929) dichtet schon zeitkritisch "Fressen, Trinken, Schlafen, Scheißen, Fögeln, Fressen..."
In dem Band sind uralte Gedichte, Klassikern und Zeitgenössisches vereint. Fünfzehn Prozent der Werke erscheinen zum ersten Mal. Jacobs schreibt: Aber die besten Gedichte in dieser Sammlung schaffen es, das Schwere leicht und das Schwierige eingängig zu machen, ohne es zu trivialisieren." Dann verwendet er noch den Begriff "megageile Porn Art". WELT ONLINE hat zehn Werke exklusiv ausgewählt. Urteilen Sie selbst, aber sagen Sie nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt!
Jacobs, Steffen (Hrsg.): Liederlich! Die lüsterne Lyrik der Deutschen. Eichborn Berlin. 272 Seiten, 14,95 Euro.
Weitere Gedichte lesen Sie hier:
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Brecht, Gernhardt & Co – Liederlich-lüsterne Lyrik

Erotische Gedichte von Brecht, Ringelnatz, Gernhardt & Co. vereint der gerade erschienene Band "Liederlich!". Der Herausgeber Steffen Jacobs schwört, ihm sei die Sprache wichtig. WELT ONLINE präsentiert zehn Gedichte zur Auswahl. Wer sich vor deftigen Versen fürchtet, der klicke auf keinen Fall auf "mehr".

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Erotische Gedichte von Brecht, Ringelnatz, Gernhardt & Co. vereint der gerade erschienene Band "Liederlich!". Der Herausgeber Steffen Jacobs schwört, ihm sei die Sprache wichtig. WELT ONLINE präsentiert zehn Gedichte zur Auswahl. Wer sich vor deftigen Versen fürchtet, der klicke auf keinen Fall auf "mehr".

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Wolfgang GvD meint:
31.05.2008, 23:06 Uhr
Bibel lesen?
Aber natürlich. Zum Beispiel:
2. SAMUEL 16,22
22...und Absalom ging zu den Nebenfrauen seines Vaters vor den Augen ganz Israels.

Der Artikel ist nicht besser und nicht schlechter wie die Bibel.
Normalo meint:
29.04.2008, 21:13 Uhr
Alles Quatsch:die Bilder sind gut und passend.Die Moralisten nerven wie immer.
Moralapostel meint:
29.04.2008, 11:32 Uhr
An alle selbsternannten Moralapostel! Das ist ein wunderschön witzig ironischer Text. Mehrmals wurde davor gewarnt, dass die Leser weiterlesen, die vermutlich selbst niemals das böse S.-Wort hatten. Peinlich sind verkniffene Typen und weder der Text noch die Gedichte noch die Fotos!
bibel hilft gegen sexgedanken-sucht meint:
29.04.2008, 10:03 Uhr
wer nicht mehr bei allen dingen an sex denken will und sich unter druck gesetzt fühlt sollte mal in die bibel gucken.


da gibts tipps und dann findet man einen sinn ohne nur an sex zu denken.
gedichte bitte ohne diese Ekel-sprache und Schmuddelfotos meint:
29.04.2008, 10:01 Uhr
"Niveau, wo es weh tut, unter der Gürtellinie"


das zitat stimmt... peinliches niveau wie bei den tieren.


erbärmlich für jede journalistin mit so einem artikel in verbindung gebracht zu werden.


diese porno-sprache hat bei gedichten nichts verloren.
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