Hajo Schulz

Am eigenen Zopf

Windows XP mit Bordmitteln wiederbeleben

Trotz aller Neuerungen in Windows XP wie dem Systemdateischutz oder der Empfehlung, nur signierte Treiber zu installieren, kann es passieren, dass der Rechner mal den Dienst verweigert. Glücklicherweise enthält das Betriebssystem einige Werkzeuge, mit denen man ihm die Zicken austreiben kann.

Im Vergleich zu Windows 9x oder ME läuft XP in der Regel deutlich stabiler. Wenn es dann aber doch einmal kracht und der Rechner einfach nicht mehr starten will, ist guter Rat oft teuer: War es früher möglich, dem Rechner mit einer (DOS-)Bootdiskette und einigen darauf enthaltenen Werkzeugen zu Leibe zu rücken, führt ein solches Ansinnen bei Windows XP mit seinen deutlich komplizierteren Strukturen und dem gern verwendeten Dateisystem NTFS oft ins Leere.

Meist ist aber eine solche Vorgehensweise gar nicht nötig, denn Microsoft hat vorgesorgt und XP eine recht gut sortierte Sammlung von Werkzeugen mitgegeben, die selbst bei aussichtslos erscheinenden Macken noch Hoffnung versprechen. Wer sich auf den Fall der Fälle vorbereitet und sich schon zu `Lebzeiten´ seines Systems mit diesen Werkzeugen beschäftigt, spart sich unter Umständen nervige und Zeit raubende Neuinstallationen.

Alle im Folgenden vorgestellten Werkzeuge zum Retten einer nicht mehr startfähigen Windows-XP-Installation haben eins gemeinsam: Sie funktionieren nur, wenn man sich als Administrator anmeldet beziehungsweise mindestens dessen Kennwort kennt. Diese Tatsache deutet auch auf eine weitere Gemeinsamkeit der Tools hin: Wer nicht weiß, was er tut, kann damit unter Umständen großen Schaden anrichten.

Systemwiederherstellung

Den besten Schutz vor dauerhaftem Rechnerausfall bietet naturgemäß die regelmäßige Sicherung der wichtigsten Systemdateien und -einstellungen: Klemmt das System, lässt es sich damit in einen früheren Zustand zurückversetzen, in dem es schon einmal funktioniert hat. Diese Überlegung hat man offensichtlich auch in Redmond angestellt und Windows XP mit einer automatischen und standardmäßig eingeschalteten Backup-Funktion ausgestattet: Eine Komponente namens Systemwiederherstellung legt regelmäßig so genannte Prüfpunkte an, Momentaufnahmen des Systemzustands, zu denen der Anwender bei Bedarf zurückkehren kann.

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Windows legt regelmäßige Sicherungskopien des Systemzustands an, zu denen man bei Bedarf zurückkehren kann.

Um das zu tun, ruft man das Programm `Systemwiederherstellung´ auf, zu finden unter `Start - Programme - Zubehör - Systemprogramme´. Hier kann man auch manuell das Anlegen eines neuen Prüfpunktes veranlassen. Empfehlenswert ist das immer vor dem Installieren eines älteren Programms. Moderne, MSI-basierte Setups erkennt Windows selbst und legt vor deren Ausführung automatisch einen Prüfpunkt an, ebenso wie vor der Installation eines nicht signierten Gerätetreibers oder eines Patches von der Windows-Update-Webseite, vor dem Zurückspielen von Daten mit dem systemeigenen Backup-Programm und vor dem Zurückkehren zu einem Prüfpunkt.

Die wenigen `offiziellen´ Einstellmöglichkeiten finden sich in den Systemeigenschaften (aufzurufen über einen Rechtsklick auf das `Arbeitsplatz´-Symbol oder über den Eintrag `System´ in der Systemsteuerung) auf dem Register `Systemwiederherstellung´. Neben einer globalen Abschaltung für diesen Dienst gibt es hier eine Liste, in der man für jedes Laufwerk einstellen kann, wie viel Platz er dort maximal belegen darf. Achtung: Ein Wert von null für die Systempartition führt nicht nur zum unwiederbringlichen Verlust aller bisher angelegten Prüfpunkte, sondern schaltet die Systemwiederherstellung für das gesamte System ab.

Um es ganz deutlich zu sagen: Die Systemwiederherstellung ersetzt keine Backups im herkömmlichen Sinne. Sie speichert lediglich die Systemeinstellungen der Registry und einige Systemdateien. Von Dokumenten, Bildern, E-Mail-Nachrichten und anderen Benutzerdateien lässt sie die Finger. Um solche Daten vor Verlust zu sichern, muss man sie mit einem anderen geeigneten Programm auf ein sicher verwahrtes Medium kopieren. Was genau die Systemwiederherstellung sichert, kann man der Datei filelist.xml im Verzeichnis %windir%\System32\Restore entnehmen.

Last Known Good

Damit man im Falle eines Falles überhaupt zu einem Prüfpunkt zurückkehren kann, darf das System natürlich nicht so stark zerschossen sein, dass es überhaupt nicht mehr startet: Die Systemwiederherstellung funktioniert nur unter einem komplett gestarteten Windows. Unter diese Kategorie fällt auch ein Start im abgesicherten Modus, den man erreichen kann, indem man die F8-Taste drückt, während der Rechner das Boot-Menü anzeigt beziehungsweise bevor er den eigentlichen Windows-Start in Angriff nimmt. Verweigert Windows nach Konfigurationsänderungen den normalen Systemstart, sollte der erste Versuch einer Rettung also darin bestehen, diesen Modus aufzurufen und nach möglichst jungen Systemprüfpunkten zu suchen.

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Die Eingriffsmöglichkeiten in die Systemwiederherstellung beschränken sich auf das Notwendigste.

Hin und wieder verhindert jedoch eine neu angeschlossene Hardware oder ein gerade installierter Treiber den Start selbst in dieses Minimal-Windows. Für solche Fälle hält das System ein weiteres automatisch erzeugtes Backup bereit, und zwar von dem für Hardware-, Treiber- und Dienste-Einstellungen zuständigen Zweig HKEY_LOCAL_MACHINE\System\CurrentControlSet der Registry.

Zugänglich wird diese Kopie über die `Letzte als funktionierend bekannte Konfiguration´. Die bekommt man nach einem misslungenen Systemstart beim nächsten Versuch automatisch als Startoption angeboten, kann sie aber auch durch einen Druck auf die F8-Taste vor dem eigentlichen Systemstart erreichen. Ein manueller Aufruf dieser Funktion ist allerdings mit Vorsicht zu genießen: Das System erzeugt die Sicherheitskopie jedes Mal dann, wenn Windows komplett gestartet ist und sich ein Benutzer erfolgreich angemeldet hat. Wenn also eine Konfigurationsänderung den eigentlichen Systemstart nicht verhindert, aber etwa ein angeschlossenes Gerät oder ein Programm nicht mehr ordnungsgemäß funktioniert, dann ist bei einem erneuten Systemstart die Sicherheitskopie der eigentlich gewünschten Konfiguration längst überschrieben.

Rettungssystem

Schlägt trotz aller bisher beschriebenen Versuche der Systemstart dauerhaft fehl, muss man dem Fehler von außen zu Leibe rücken. Dazu empfiehlt sich bei ausreichend vorhandenem Plattenplatz eine zweite Windows-XP-Installation auf demselben Rechner, aber in einer anderen Partition, besser auf einer zweiten Festplatte. Von diesem Notfallsystem aus kann man dann auf sämtliche Dateien der zerschossenen Arbeitsinstallation zugreifen, sie beispielsweise löschen, durch unbeschädigte Originalversionen ersetzen oder Änderungen in Konfigurationsdateien vornehmen, die im Textformat gespeichert sind.

Selbst Änderungen in der Registry der anderen Windows-Installation sind möglich. Dazu startet man zunächst wie gewohnt den Registrierungseditor regedit. Zum Laden von Teilen einer fremden Registry dient der Befehl `Struktur laden´ aus dem `Datei´-Menü. Er steht nur dann zur Verfügung, wenn man sich im Schlüsselbaum direkt auf den Einträgen HKEY_LOCAL_MACHINE oder HKEY_USERS befindet. An der ersten Stelle kann man die Systemregistrierung des anderen Windows einblenden; sie findet sich in dessen Systemordner unter system32\Config und besteht aus den Dateien ohne Endung. Die benutzerspezifischen Einstellungen von Anwendern des fremden Windows finden sich in deren Profilordner (normalerweise \Dokumente und Einstellungen\<Benutzername>) in der Datei ntuser.dat und lassen sich unter HKEY_USERS laden. Die Frage nach einem Schlüsselnamen, die regedit beim Laden einer Struktur stellt, kann man beliebig beantworten; damit legt man lediglich fest, unter welchem Namen der fremde Registry-Ast in den Schlüsselbaum eingeblendet wird.

Wiederherstellungskonsole

Wo aus Platzmangel oder aus anderen Gründen die Installation eines zweiten Windows nicht möglich ist, bietet sich ein weiteres Werkzeug an, das bei Windows XP im Lieferumfang enthalten ist: Die Wiederherstellungskonsole ist ein textbasiertes Minimalsystem, ähnlich der Eingabeaufforderung, aber mit einem anderen Befehlsumfang.

Um die Wiederherstellungskonsole für den Fall der Fälle parat zu haben, sollte man sie zunächst installieren. Das geschieht durch den Aufruf

D:\i386\winnt32.exe /cmdcons

aus einer Eingabeaufforderung heraus, wobei D: der Laufwerksbuchstabe des CD-ROM-Laufwerks ist, das zu diesem Zeitpunkt die Windows-Installations-CD enthalten sollte. Diese Installation trägt die Wiederherstellungskonsole in das Boot-Menü ein, quasi als weiteres Betriebssystem. Aber selbst ohne diese Installation lässt sich die Wiederherstellungskonsole verwenden: Dann muss man den Rechner von der Windows-CD starten und auf der Eingangsseite zum textbasierten Setup die Reparatur des installierten Systems auswählen.

Diese Startart der Wiederherstellungskonsole ist auch die einzige, die hilft, wenn ein Virus oder eine andere Betriebssysteminstallation den Master-Boot-Record der Festplatte oder den Bootsektor der Windows-XP-Partition beschädigt hat. Innerhalb der Konsole helfen gegen diese beiden Probleme die Befehle fixmbr beziehungsweise fixboot. Ansonsten ist der Befehlsumfang der Wiederherstellungskonsole eher eingeschränkt: Alte DOS-Bekannte wie dir, copy, ren, md, rd und deltree stehen zwar zur Verfügung, aber es ist beispielsweise nicht vorgesehen, weitere Programme zu starten. So fehlt unter anderem ein Texteditor. Auskunft über alle Kommandos liefert der Befehl help; mit help <Kommando> gibt es weiter gehende Hinweise zu einzelnen Kommandos.

Was diese Hilfe verschweigt, ist die Tatsache, dass man mit den DOS-ähnlichen Befehlen standardmäßig nur auf einige wenige Verzeichnisse zugreifen kann. Dazu gehören die Wurzelverzeichnisse sämtlicher Partitionen, das Systemverzeichnis samt Unterordnern der Windows-Installation, an die man sich angemeldet hat, alle Wechseldatenträger sowie das Installationsverzeichnis der Wiederherstellungskonsole selbst (normalerweise C:\cmdcons). Um diese Beschränkung aufzuheben, muss man den Befehl set AllowAllPaths = TRUE eingeben. Der liefert aber - genau wie die übrigen in der Hilfe dokumentierten Ausprägungen des set-Befehls - erst mal nur eine Fehlermeldung. Man muss ihn zuvor freischalten, und zwar durch einen Eingriff in die Registry, den man zweckmäßigerweise direkt nach der Installation der Wiederherstellungskonsole vornimmt. Der zuständige Wert heißt SetCommand und findet sich im Schlüssel HKEY_LOCAL_MACHINE\Software\Microsoft\WindowsNT\CurrentVersion\Setup\RecoveryConsole. Nur wenn hier eine 1 eingetragen ist, verdaut die Wiederherstellungskonsole den set-Befehl ohne Murren.

Erwähnenswert sind noch die Befehle diskpart zum Erstellen und Löschen von Partitionen, format, um sie anschließend zu formatieren, und chkdsk zum Überprüfen der Verzeichnisstruktur. Um ein streikendes Windows wieder zum Leben zu erwecken, helfen häufig die Befehle listsvc, disable und enable: Mit ihnen lassen sich alle installierten Dienste nebst ihrem Status auflisten sowie einzelne Dienste beim Systemstart unterdrücken beziehungsweise wieder einschalten. (hos)

Literatur

[1] Peter Siering, System-Kosmetik, Windows XP: Einmaleins der Systemkonfiguration, c't 22/01, S. 138

[2] Lars Bremer, Klempner an Bord, Registry sichern und reparieren unter Windows 2000 und XP, c't 22/01, S. 146

[3] Peter Siering, Handbetrieb, Rund um die Konfiguration und Fehlersuche in Windows XP, c't 26/01, S. 124

[4] Windows XP Resource Kit Documentation, Disaster Recovery Tools, www.microsoft.com/technet/prodtechnol/winxppro/reskit/prmb_tol_jrch.asp