SaarbrückenMit diesen Tricks arbeiten Einbrecher - und so können wir uns schützenVon Jörg Laskowski Veröffentlicht: Dienstag, 21. April 2015, 11:10 UhrStandard-Einbrechertrick Nummer zwei: Der Einbrecher „durchsticht“ die Fensterscheibe (hier ist das Loch zu Demonstrationszwecken außergewöhnlich groß geraten). Dann steckt er einen Draht durch das Loch über den Fenstergriff, dreht den Griff, öffnet das Fenster und steigt ein. SZ-Archiv-Symbolfoto: dpa |
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Mehrere Einbrüche sorgten in den vergangenen Wochen in Saarbrücken für Gesprächsstoff – und für Angst. Wir erkundigten uns bei der Polizei, mit welchen Tricks die Einbrecher arbeiten und was die Bürger dagegen tun können.
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Standard-Einbrechertrick Nummer zwei: Der Einbrecher „durchsticht“ die Fensterscheibe (hier ist das Loch zu Demonstrationszwecken außergewöhnlich groß geraten). Dann steckt er einen Draht durch das Loch über den Fenstergriff, dreht den Griff, öffnet das Fenster und steigt ein. SZ-Archiv-Symbolfoto: dpa
Trauma für die OpferAnderer Fall: Ein frei stehendes Haus um drei Uhr. Eine Frau und ihr erwachsener Sohn schlafen im ersten Stock. Die Frau wacht auf, weil sie Geräusche aus dem Wohnzimmer im Erdgeschoss hört. Die Frau geht runter, macht Licht – das ganze Zimmer ist durchwühlt. Mittendrin steht ein Einbrecher. Laptop, Geld, Schmuck und Pkw-Schlüssel hat er sich schon zurechtgelegt. Die Frau schreit. Der Einbrecher flüchtet ohne Beute. Er hatte den Schließzylinder an der Haustür abgebrochen und war so hereingekommen.In Saarbrücken zählte die Polizei 2015 bislang rund 190 Einbrüche und Einbruchsversuche – denn in 40 Prozent aller Fälle scheiterten die Einbrecher. Knapp ein Drittel aller Saarbrücker Einbrüche und Einbruchsversuche wurden in Malstatt und Burbach registriert, etwa 10 Prozent auf dem Eschberg, 5 Prozent am Kaninchenberg. Die Polizei versichert allerdings, dass sich aus diesen Zahlen noch kein Trend ableiten lässt. 2014 gab es landesweit 2619 Fälle (Einbrüche inklusive Versuche) und in Saarbrücken 579. Die verteilten sich wie folgt: 178 in Malstatt und Burbach, 90 in Alt-Saarbrücken und St. Arnual, 36 in St. Johann, 45 auf dem Eschberg, 40 am Kieselhumes, Kaninchenberg und Homburg, 25 in Gersweiler, 24 in Güdingen und Brebach sowie jeweils zwischen 6 und 13 in den übrigen Stadtteilen. Wobei es – wie gesagt – in 40 Prozent der Fälle beim Versuch bleibt. Die Aufklärungsquote lag 2014 landesweit bei 14 Prozent. In knapp fünf Prozent der Saarbrücker Fälle kann die Polizei an den Spuren am Tatort und anderen Begleitumständen klar erkennen, dass dort eine Bande am Werk war. Diese Fälle übernimmt eine spezielle Ermittlungsgruppe. Die Polizei geht allerdings davon aus, dass die Dunkelziffer in Sachen Bandenkriminalität erheblich höher ist. Die restlichen Saarbrücker Einbrüche und Versuche gehen nach Erkenntnissen der Polizei fast vollständig auf das Konto von zwei Tätergruppen: Das sind erstens Drogenkranke, die Geld für ihre Sucht brauchen, und zweitens selbstständig arbeitende Einzeltäter, die sich mit Einbrüchen ihren Lebensunterhalt verdienen. DNA an GlassplitternDie gängigsten Einbruchsmethoden sind folgende. Erstens: Der Einbrecher reißt oder bricht den Schließzylinder an der Tür ab. Danach kann er das Schloss mit einem Dietrich öffnen. Dagegen hilft ein Schloss mit versenktem Schließzylinder. Zweitens: Der Einbrecher „sticht“ ein Loch ins Fenster – direkt neben dem Griff – stülpt einen Draht über den Griff und öffnet das Fenster. Dagegen hilft ein abschließbarer Fenstergriff.Drittens: Der Einbrecher hebelt das ganze Fenster auf oder schlägt es komplett aus dem Rahmen. Denn Einbrecher greifen nicht gern durch Löcher in gesplitterten Scheiben. Ein winziger Blutstropfen oder Hautfetzen genügt der Polizei für einen DNA-Abgleich mit ihrer Datenbank, die täglich aktualisiert wird. Gegen das Aufbrechen der Fenster helfen Pilzkopfriegel, die unten am Fenster in den Rahmen greifen, oder zusätzliche Riegel an der Ecke unterhalb vom Griff. Die Einbrecher wollen vor allem Geld und Schmuck . Oft nehmen sie auch Laptops und Handys mit, selten größere Geräte. Schlimmste Folge für die Opfer ist laut Polizei meist der Verlust des Sicherheitsgefühls in den eigenen vier Wänden. Weitere Infos darüber, wie man sich vor Einbrechern schützen kann, gibt's bei Christian Eckert und Raimund Hißler vom Kriminaldienst Saarbrücken , Tel. (06 81) 9 31 20, und im Internet. k-einbruch.de polizei.saarland.de
Meinung:
Nicht genieren! Immer gleich die Polizei anrufenVon SZ-RedakteurJörg LaskowskiVöllig irre: 2014 wagte die Saarbrücker Polizei ein Experiment. Nach einer Einbruchsserie schickte sie nachts einen vermummten Beamten ins betroffene Viertel. Der tat so, als wolle er weitere Häuser ausspähen. Kollegen, die ihm folgten, stellten fest: Mehrere Anwohner beobachteten den Provokateur – aber keiner rief die Polizei . Warum? Angst vor dem anschließenden Verwaltungskram? Auweia. Das muss sich ändern. Liebe Saarbrücker, nur keine Hemmungen. Genieren Sie sich nicht. Wenn Sie etwas Verdächtiges sehen, rufen Sie die Polizei – die will das so. Also tun Sie's auch. Natürlich sind versenkte Schließzylinder, abschließbare Fenstergriffe, Pilzkopfriegel im Fensterrahmen usw. hilfreich. Aber der stärkste Trumpf im Kampf gegen Einbrecher ist der aufmerksame Nachbar, der zum Telefon greift, wenn er seltsame Lieferwagen oder Leute mit Feldstechern sieht. Notieren Sie Ihre Beobachtungen, und rufen Sie Ihre Polizei .
Zum Thema:
Wer einen Einbrecher bemerkt, soll die Polizei rufen – 110. Das Opfer soll seinen Namen nennen, Adresse, Stockwerk der Wohnung – und wenn möglich sagen, ob der Einbrecher noch da ist. Auch Lärm und Licht zu machen ist sinnvoll. Aber man sollte dem Einbrecher nicht in die Quere kommen und keinesfalls versuchen, ihn festzunehmen. In den vergangenen Jahren – so versichert die Polizei – sind in Saarbrücken alle Einbrecher, die bemerkten, dass sie nicht allein waren, geflüchtet, ohne die Bewohner anzugreifen. Ein Festnahmeversuch könnte anders enden. Denn selbst wenn der Einbrecher flüchten kann, so fürchtet er doch, dass seine Opfer ihn wiedererkennen. fitz |
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